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Warum schmerzt die Achillessehne so häufig?

  • Autorenbild: Harald Deluca
    Harald Deluca
  • 16. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Der erste Schmerz zeigt sich oft nicht beim Sport, sondern am Morgen: Die ersten Schritte nach dem Aufstehen fühlen sich stechend oder ziehend an, die Ferse ist empfindlich, nach einigen Minuten wird es besser. Doch die Beschwerden kommen wieder. Warum schmerzt die Achillessehne und wann ist es Zeit für eine orthopädische Abklärung? Die Antwort liegt meist nicht in einem einzelnen Auslöser, sondern im Zusammenspiel von Belastung, Gewebequalität, Bewegungsablauf und Regeneration.

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Sie überträgt bei jedem Schritt hohe Kräfte und ist damit beim Gehen, Stiegensteigen, Laufen und Abspringen wesentlich beteiligt. Gerade weil sie so belastbar ist, werden beginnende Reizungen häufig übersehen. Wird die Sehne wiederholt stärker beansprucht, als sie sich anpassen kann, entstehen Schmerzen und in weiterer Folge strukturelle Veränderungen.

Warum schmerzt die Achillessehne? Häufige Ursachen

Die häufigste Ursache ist eine Achillessehnen-Tendinopathie. Dabei handelt es sich nicht zwingend um eine klassische Entzündung. Besonders bei länger bestehenden Beschwerden stehen oft Umbauprozesse und eine verminderte Belastbarkeit des Sehnengewebes im Vordergrund. Die Sehne kann verdickt, druckempfindlich und bei Belastung schmerzhaft werden.

Typisch ist eine Überlastung durch eine rasche Steigerung des Trainingsumfangs, ungewohnte Bergläufe, viele Sprünge oder einen abrupten Wiedereinstieg nach einer Pause. Das betrifft nicht nur ambitionierte Läufer*innen. Auch längere Gehstrecken im Urlaub, körperlich fordernde Arbeit oder eine veränderte Trainingsroutine können ausreichen, wenn die Anpassungszeit fehlt.

Beschwerden entstehen jedoch nicht ausschliesslich durch Sport. Verkürzte oder verspannte Wadenmuskeln, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Sprunggelenks und ungünstige Belastungsachsen können die Zugkräfte auf die Sehne erhöhen. Ebenso können schlecht passende oder stark abgetragene Schuhe eine Rolle spielen. Bei Schmerzen direkt am Ansatz der Sehne am Fersenbein kommen zusätzlich knöcherne Veränderungen, Druck durch den Schuhschaft oder eine Schleimbeutelreizung in Betracht.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Belastbarkeit des Sehnengewebes. Stoffwechselerkrankungen, deutliches Übergewicht, Rauchen oder bestimmte Medikamente können das Risiko für Sehnenprobleme ebenfalls erhöhen. Dazu zählen insbesondere manche Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone sowie eine Cortisonbehandlung im Bereich der Sehne. Medikamente sollen deshalb niemals eigenmächtig abgesetzt werden, aber bei neu aufgetretenen Sehnenschmerzen ärztlich angesprochen werden.

Der Ort des Schmerzes gibt wichtige Hinweise

Nicht jede Achillessehnenbeschwerde ist gleich. Die genaue Lokalisation hilft bei der medizinischen Einordnung.

Bei einer Tendinopathie im mittleren Sehnenabschnitt liegt der Schmerz meist zwei bis sechs Zentimeter über dem Fersenbein. Häufig tastet sich dort eine Verdickung oder ein druckempfindlicher Bereich. Die Beschwerden sind zu Beginn einer Belastung oft ausgeprägt, lassen während der Bewegung manchmal nach und melden sich später oder am nächsten Morgen wieder.

Schmerzt die Achillessehne unmittelbar am Fersenbein, spricht das eher für eine insertionale Tendinopathie, also eine Reizung am Sehnenansatz. Hier können Schuhe mit fester Fersenkappe und eine starke Dehnung der Wade die Symptome verstärken. Diese Form braucht bei Übungen eine besonders sorgfältige Anpassung: Was bei Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt sinnvoll sein kann, ist am Sehnenansatz nicht immer geeignet.

Ein plötzlich einschießender Schmerz mit einem spürbaren oder hörbaren Knall, gefolgt von deutlicher Schwäche beim Abdrücken, kann auf einen Achillessehnenriss hinweisen. Manche Betroffene beschreiben das Gefühl, als sei ihnen von hinten gegen die Wade getreten worden. Das ist kein Fall für weiteres Abwarten, sondern sollte rasch unfallchirurgisch oder orthopädisch beurteilt werden.

Wann eine fachärztliche Abklärung sinnvoll ist

Leichte Beschwerden nach einer ungewohnten Belastung können sich beruhigen, wenn die auslösende Aktivität vorübergehend reduziert wird. Bleibt der Schmerz über mehrere Wochen bestehen, nimmt er zu oder beeinträchtigt er Alltag und Sport, ist eine gezielte Untersuchung sinnvoll. Denn eine dauerhaft gereizte Sehne wird selten besser, wenn sie entweder konsequent überlastet oder aus Angst vor Schmerzen vollständig geschont wird.

Eine zeitnahe Abklärung ist besonders wichtig bei folgenden Warnzeichen:

  • plötzlich auftretendem, starkem Schmerz oder einem Knallgefühl

  • sichtbarer Schwellung, Rötung oder Überwärmung im Fersenbereich

  • deutlicher Kraftminderung beim Zehenstand oder beim Abrollen

  • Schmerzen in Ruhe, nachts oder bei zunehmender Belastung trotz Anpassung

In der orthopädischen Untersuchung werden Schmerzort, Sehnenstruktur, Beweglichkeit des Sprunggelenks, Wadenkraft und Beinachse beurteilt. Je nach Befund kann eine Ultraschalluntersuchung wertvolle Informationen über Verdickungen, Einrisse oder Veränderungen im umgebenden Gewebe liefern. Bei speziellen Fragestellungen, unklaren Beschwerden oder dem Verdacht auf eine höhergradige Verletzung kann auch eine Magnetresonanztomographie angezeigt sein.

Behandlung: Belastung steuern statt nur pausieren

Bei Achillessehnenbeschwerden ist vollständige Ruhe meist keine nachhaltige Lösung. Die Sehne benötigt dosierte Belastung, um ihre Belastbarkeit wieder aufzubauen. Entscheidend ist die richtige Dosis. Eine kurzfristige Reduktion von Lauftraining, Sprüngen oder steilen Anstiegen kann notwendig sein. Gleichzeitig sollte Bewegung, die gut toleriert wird, möglichst erhalten bleiben - etwa Radfahren, Schwimmen oder angepasstes Krafttraining.

Die aktive Therapie bildet in vielen Fällen den Kern der Behandlung. Ein individuell abgestimmtes Kraftprogramm für Wade und Fuss, ergänzt durch Übungen zur Beweglichkeit und Koordination, kann die Sehne schrittweise wieder belastbarer machen. Dabei gilt: Ein leichter, kontrollierter Schmerz während einer Übung kann je nach Befund vertretbar sein. Starke Schmerzen, zunehmende Beschwerden am Folgetag oder eine deutliche Verschlechterung sprechen jedoch dafür, die Belastung anzupassen.

Physiotherapie kann helfen, den Belastungsaufbau präzise zu steuern und ungünstige Bewegungsmuster zu erkennen. Bei Deluca Med kann die fachärztliche Einordnung bei Bedarf mit einer physiotherapeutischen Betreuung über DELUCA Move abgestimmt werden. Das Ziel ist nicht nur Schmerzreduktion, sondern eine belastbare Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport.

Einlagen, Fersenpolster oder eine vorübergehende Fersenerhöhung können in ausgewählten Fällen entlasten, etwa wenn der Sehnenansatz stark gereizt ist. Sie ersetzen jedoch kein aktives Rehabilitationsprogramm. Schmerzmittel können kurzfristig unterstützend eingesetzt werden, sollten aber nicht dazu verleiten, Warnsignale zu übergehen und zu früh wieder voll zu belasten. Infiltrationen direkt in die Achillessehne erfordern besondere Zurückhaltung, da bestimmte Verfahren die Sehnenstruktur schwächen können.

Welche zusätzliche Behandlung sinnvoll ist, hängt von Beschwerdedauer, Lokalisation, sportlichen Zielen und dem individuellen Befund ab. Bei anhaltenden Fällen kommen nach genauer Diagnostik weitere konservative Optionen in Betracht. Ein vorschneller Therapiewechsel ohne konsequenten, ausreichend langen Belastungsaufbau führt hingegen häufig zu Enttäuschung: Sehnengewebe reagiert langsam, Fortschritte werden meist über Wochen und Monate sichtbar.

Was Sie selbst im Alltag beachten können

Beobachten Sie, wann die Schmerzen auftreten: beim Anlaufen, nach längerer Belastung, am Morgen oder bei Druck durch bestimmte Schuhe. Dieses Muster liefert wichtige Hinweise für die Untersuchung und hilft, Auslöser zu reduzieren. Erhöhen Sie Trainingsumfang und Intensität nicht gleichzeitig. Nach längeren Pausen ist eine stufenweise Rückkehr wesentlich sicherer als der Versuch, rasch an frühere Leistungen anzuschliessen.

Dehnen kann bei einer ausgeprägten Wadenverkürzung sinnvoll sein, ist aber kein Allheilmittel. Vor allem bei Schmerzen direkt am Fersenansatz kann eine starke Dehnung die Beschwerden verstärken. Auch Massagen oder Kühlung können kurzfristig angenehm sein, lösen aber die Ursache einer Überlastung nicht. Die zentrale Frage bleibt: Welche Belastung verträgt die Sehne aktuell und wie lässt sie sich kontrolliert steigern?

Anhaltende Achillessehnenschmerzen verdienen eine genaue Diagnose statt pauschaler Ratschläge. Wer die Ursache früh einordnet und die Belastung gezielt aufbaut, schafft die beste Voraussetzung dafür, wieder sicher und mit Vertrauen in die eigene Bewegung aktiv zu sein.


Ihr Team - Deluca Med!

 
 
 

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